Odyssee 2009
Performance, in, auf und entlang der Lahn, Marburg
7/2009

Künstlerische Leitung: Inga Berlin, Martin Esters, Sabine Manke

Odysseus, Penelope, Telemach: Die Open-Air-Performance "Odyssee 2009" ist auf die konfliktreiche Familiengeschichte dieser drei Kernfiguren zugeschnitten. Das Besondere: sie findet in, auf und entlang der Lahn statt. An insgesamt 6 Abenden konnten jeweils 60 mit einer Landkarte ausgestattete ZuschauerInnen in 17 Booten ihre individuelle Odyssee vom Olymp bis zum Hades ‚erfahren‘. Das Pittoresk-Romantische der von den ZuschauerInnen bereisten Flusslandschaft konkurriert in der Inszenierung mit einer Trash-Ästhetik: eine schwimmende Badewanne, ein Olymp aus Rettungsfolien, die Göttin Athene als Textfetzen und Gegenstände spuckender Automat auf den Lahnwiesen, ein selbstgebastelter Zyklop. Zu erleben: eine Mischung aus streng choreographierten und interaktiven Teilen, klassischem Sprech- und experimentellem Bewegungstheater, Installationen und Projektionen. Die Reihenfolge der angefahrenen Stationen und die Verweildauer vor Ort bleibt den ZuschauerInnen überlassen. Jede Boots- als zusammengewürfelte ‚Schicksalsgemeinschaft‘ wird dergestalt zum Mitproduzenten der erlebten Geschichte.

Gefördert u.a. durch das Literaturland Hessen/Grimm&Co, den Fachdienst Kultur Marburg, den Mittelhessischen Kultursommer

„Rudimentäre Kenntnisse des Stoffs mitzubringen, kann natürlich nicht schaden, doch die Akteure verstehen es so geschickt, ihre Produktion auf die Figuren des Odysseus, der Penelope und deren Sohn Telemach einzugrenzen, dass auch unbedarfte Theatergäste schnell verstehen, was den Kern der Odyssee ausmacht: ein verschollener, für tot erklärter Held, eine trauernde Ehefrau, die sich zudringliche Freier vom Hals halten muss, und ein gleich dreifach besetzter Filius, der versucht, der Mama den Papa wiederzubeschaffen. [...] Was auf hoher See wie auf der Lahn zählt, ist Teamgeist. Denn die Vierergruppen müssen ständig entscheiden, welche Station sie ansteuern, wo sie an Land gehen oder bei welchem schwimmendem Darsteller sie längsseits gehen wollen. So kommt man schnell ins Gespräch auf dem Wasser“.

Oberhessische Presse, 22. Juli 2009

„Das Konzept für ihre Tanzperformance arbeiteten Vera Kovacs, Timea Györke und ihr Ensembleleiter Akos Hargitay gemeinsam in Budapest aus. Im Stück schlüpften die Tänzerinnen in die verschiedensten Rollen. Ob betörende Sirenen, Schafe des Zyklopen oder Affen im Gebüsch: Für ihre Tanzperformance kamen sowohl Requisiten als auch die Körper der anderen Schauspieler zum Einsatz – ‚Body Parcours’ nennen die beiden Tänzerinnen das.“

Oberhessische Presse, 29. Juli 2009