Claustrophobia! (= Ausweitung der Erkenntniszone, Teil 1)
Performance, Waggonhalle Kulturzentrum
7/2014

Künstlerische Leitung: Sabine Manke

Performanceteam: Magdalena Kaim, Antje Kessler, Felix Hieronimi, Martin Esters, Sabine Manke

Das ethnologische Museum ist ein verrückter Ort. Exotische Masken blicken in unsere faszinierten Augen. Alltags- und Kunstgegenstände aus unbekannten Materialien finden sich eingesperrt hinter Sicherheitsglas. Ebenso ausführliche wie unverständliche Beschriftungen informieren über ein Leben an Orten, an die wir vermutlich niemals gelangen werden. Wozu? In einer Serie von Performances soll diesen Verrücktheiten nachgegangen werden. Und welcher Ort könnte geeigneter sein, um sich mit den Erstarrungstechniken des Ausstellens zu beschäftigen als das bewegt-lebendige Theater? Teil I steht unter dem Motto „Claustrophobia!“ und beschäftigt sich mit dem Durchsicht- und Verschlussobjekt Vitrine.

Gefördert durch den Fachdienst Kultur Marburg. Mit freundlicher Unterstützung durch das Vino Nobile, Marburg.

Pressetext: 40 Weinkisten, einige Europaletten und ein paar Kunststoffplatten. Ist das wirklich das Material, aus dem die „Bretter, die die Welt bedeuten“ gezimmert sind? „Aber sicher“, meint Theater GegenStand und möchte dies im Rahmen seiner neuen Werkstatt-Produktion auf dem Waggonhallen-Gelände beweisen. Die Performance unter dem Stichwort „Claustrophobia!“ beschäftigt sich mit den „Eigentümlichkeiten ethnologischen Ausstellens“. Passend zum Titel hat sich die Produktion ihr Labor in der kleinformatigen Bühne II auf dem Waggonhallengelände eingerichtet. „Wir arbeiten mit Texten, Bildern und Improvisationen, in denen es um das Medium Vitrine geht. Und zwar um Vitrinen im wörtlichen Sinne, aber auch um Beziehungskisten im übertragenen Sinne. Ich würde es als ein szenisches Philosophieren beschreiben“, sagt Regisseurin Sabine Manke. „Ständig besuchen wir Ausstellungen oder gehen ins Theater, ohne uns wirklich damit zu beschäftigen, warum wir das eigentlich tun.“ Für den Zeitraum einer Stunde verwebt das dreiköpfige Performance-Team seine Materialien zu einer poetischen Collage und baut dabei zugleich den Raum um. Im Laufe der etwa einstündigen Veranstaltung findet letztlich jede Weinkiste ihren Platz, denn sämtliches Material wird Teil einer Ausstellungsarchitektur, die im Anschluss an die Performance vom Publikum begangen werden kann. Die Performance am 26. Juli um 20.30 Uhr ist Teil eines dreiteiligen Zyklus‘, der am 30. September am selben Ort fortgesetzt wird.